Bücher, die wir lieben Der vorbereitete Erwachsene Grundgedanken Montessori-Zitate

Montessori hat an uns gedacht – Bücherempfehlungen und Zitate für Eltern

Manchmal habe ich den Eindruck, viele Eltern befürchten, sie wären von Maria Montessori vergessen worden. So oft hat sie über die Kinder geschrieben, so viel über die Pädagogen – aber wo finden wir unseren Halt zuhause und in der Familie? Was bedeutet Montessori zuhause überhaupt?

Glücklicherweise täuscht dieser Eindruck allerdings – denn es gibt sehr wohl Texte von Montessori, die sich direkt an uns Eltern richten. Und die Beziehung zwischen Eltern und Kind wird zudem in ihren Büchern immer wieder thematisiert. Gleichzeitig existieren riesengroße Archive von Texten, die noch nicht aufgearbeitet wurden, und in denen ich noch ungeahnte Schätze vermuten darf. Bücher, die sich ausdrücklich (auch) an Eltern wenden, sind Das Kind in der Familie und Maria Montessori Speaks to Parents, welches erst diesen Sommer und bisher nur auf Englisch erschienen ist. Außerdem widmet sie sich in Das kreative Kind ausführlich dem Neugeborenen, das zumeist zuhause betreut wird, und auch in Kinder sind anders wendet sie sich immer wieder an uns. Ich kenne es von mir, dass ich stets großen Respekt von Originaltexten habe und sie mir manchmal gar nicht zutraue – aber ich denke wirklich, dass auch Eltern versuchen können, diese Bücher zu lesen.

Dabei stellt Maria Montessori ganz schön strenge Maßstäbe an uns, wie sie das auch bei Pädagogen tut. Allerdings verlangt sie nicht, dass wir perfekt sind – sondern in unseren Zielen für uns selber nicht zu kurz greifen oder nachlässig sind.

Hier einige meiner liebsten Zitate aus diesen Texten:

Zuhause sollten in einer gut vorbereiteten Umgebung die Möbel in kindgerechter Größe sein und es sollten sich darin Gegenstände befinden, die das Kind selbständig handhaben kann. Dies ist noch nicht in jedem Zuhause umsetzbar, aber der Erwachsene kann dem Kind immerhin eine passende geistige Umgebung zur Verfügung stellen. Der Erwachsene sollte nicht störend eingreifen und nicht anstelle des Kindes handeln. Stellen wir dem Kind Mittel und Möglichkeiten bereit und lassen es selber tun: hierin besteht seine Freiheit.
Montessori, Maria: Maria Montessori Speaks to Parents. A Selection of Articles, Amsterdam 2017, S.5 (Übersetzung von mir)

Wenn wir klug sind ergänzen wir unsere Liebe durch unseren Verstand. Es ist beeindruckend, wie mutig und empfindlich das junge Kind seine inneren Entwicklungsprozesse gegenüber ungünstigen Bedingungen behauptet. Aber es nutzt dafür wertvolle Energie. Behindern wir es, kämpft es gegen uns. Sind wir verständnislos in unserer Liebe begeben wir uns ins gegnerische Lager.
Sind wir aber weise, beobachten wir seine Entwicklung mit Verständnis, gewinnen wir sein Vertrauen und teilen mit ihm die große Freude einer glücklichen Kindheit.

Montessori, Maria: Maria Montessori Speaks to Parents. A Selection of Articles, Amsterdam 2017, S.15 (Übersetzung von mir)

Unsere Aufgabe ist es, zu helfen wenn wir darum gefragt werden. Wenn wir darauf achten, uns nicht in die Aktivitäten und Interessen des Kindes einzumischen, solange diese nicht schädlich sind, wird seine Natur für seine Entwicklung sorgen.
Montessori, Maria: Maria Montessori Speaks to Parents. A Selection of Articles, Amsterdam 2017, S.23 (Übersetzung von mir)

Kinder entwickeln ihren Verstand und ihre Körper durch Bewegung. Und in diesem Prozess der Konzentration, der Selbstdisziplin und der ausdauernden Beschäftigung mit seinen Interessen, erbaut sich das Fundament seiner Persönlichkeit. Um unseren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen müssen wir darauf achten, dass ihre Umgebung ihr Bedürfnis nach Aktivität und Entwicklung berücksichtigt. Gleichzeitig sollten wir uns daran erinnern, dass unsere Aufgabe nicht darin besteht, das Kind zu unterrichten und zu stören, sondern Helfer und Freund zu sein.
Montessori, Maria: Maria Montessori Speaks to Parents. A Selection of Articles, Amsterdam 2017, S. 51 (Übersetzung von mir)

Die Eltern sind die Wächter des Kindes, aber nicht seine Bauherren. Sie müssen es pflegen und beschützen im tiefsten Sinne dieser Worte, gleich einem, der eine heilige Aufgabe übernimmt, die über die Anliegen und Begriffe des äußeren Lebens hinausreicht. (…) Zu solcher Aufgabe müssen die Eltern die Liebe, die von der Natur ihnen in die Seele gelegt wurde, läutern, und sie müssen verstehen, daß diese Liebe der bewußte Teil eines noch tieferen Gefühls ist, das nicht durch Egoismus oder Trägheit des Herzens verdorben werden darf. Die Eltern müssen mit Offenheit und Bereitschaft dem brennendsten Sozialproblem begegnen: ich meine den Kampf um die Anerkennung der Rechte des Kindes.
Montessori, Maria: Kinder sind anders, München 2004, S.212

Es ist nicht notwendig, vor den Kindern vollkommen zu erscheinen, es ist aber notwendig, daß wir vor ihnen unsere Fehler erkennen und ihre Bemerkungen geduldig hinnehmen. Wer diesen Grundsatz anerkennt, wird sich gleichsam bei den Kindern entschuldigen, wenn er ungerecht gewesen ist.
Montessori, Maria: Dem Leben helfen, Freiburg im Breisgau 1992, S.33 (vergriffen, aber in Das Kind in der Familie neu veröffentlicht)

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