Bücher, die wir lieben Schwangerschaft und Geburt

Das große kleine Geschwisterkind und die Schwangerschaft

Ich habe meiner Tochter schon recht früh erzählt, dass ich wieder schwanger bin. Einerseits war ich mir früh sehr sicher, dass sich alles positiv entwickeln würde. Andererseits war mir in den ersten Wochen furchtbar schlecht und ich fand es unpassend, ihr zu erzählen ich wäre krank. Ich erklärte ihr also, dass in meinem Bauch ein Baby ist und sie eine große Schwester sein wird. Und auch, dass das Baby noch so winzig ist, dass wir es kaum sehen könnten.
Sie freute sich, auch wenn sie bestimmt noch nicht alles erfassen konnte. Immerhin war sie erst kurze Zeit davor zwei Jahre alt geworden und noch ein wirklich kleines Kind. Es blieb also ein bisschen irreal für sie, aber es war erstmal ok so.

Eines ihrer Lieblingsbücher war ab diesem Zeitpunkt Ein Kind entsteht von Lennard Nilsson, das sie sich täglich mehrmals durchsah. Ich versuchte, ihre Beschäftigung mit diesem Thema nicht zu forcieren – aber auch nicht, sie abzutun. Meine Tochter wusste einfach, dass sie mich alles fragen konnte wenn ihr danach war. Erstaunlich bei so kleinen Kindern ist, dass sie zu diesen Themen noch ein so ungezwungenes Verhältnis haben. Sie konnte es einfach erforschen und liebte es zu hören, das Baby wäre nun so groß wie ihr Fuß oder ihr Bein, es würde nun schon das Stillen üben indem es an seinem Daumen nuckelt oder hätte am ganzen Körper Haare.

Da das Kind äußerlichen Einwirkungen gegenüber viel empfänglicher ist als wir glauben, müssen wir in unseren Beziehungen zu ihm sehr behutsam sein. Maria Montessori: Das Kind in der Familie, S.93

Nach einigen Monaten hörte ihr Interesse an diesem Thema schlagartig auf. Je sichtbarer die Veränderungen meines Körpers für sie wurden, je greifbarer das zweite Kind anwesend war, umso mehr distanzierte sie sich davon. Sie mochte es nicht, wenn der Bauch sich bewegte. Sie mochte nicht, wenn ich etwas aufgrund der Schwangerschaft nicht mehr machen konnte. Sie mochte schon gar nicht über das Baby sprechen.
Dafür meinte sie plötzlich, sie würde am liebsten wieder stillen und sie wäre noch ganz winzig.
Damit hatte ich nicht gerechnet. Gerade auch, weil ich das Thema zwar nicht verschwiegen, aber auch nicht offensiv mit ihr bearbeitet hatte.

Auch die große Schwester ist ein kleines Kind

Das zweite Kind wird vieles ändern. Das verunsichert und es macht Angst. Um diesen Übergang gut zu bewältigen braucht meine Tochter nun viel Vertrauen in unsere Beziehung. Darin möchte ich sie bestärken. Gleichzeitig werden wir jetzt schon Strukturen einführen, die wir uns für nach der Geburt überlegt hatten. Wir möchten in den nächsten Wochen fixe Exklusivzeiten, die meine Tochter mit mir oder ihrem Papa hat, ausmachen, damit sie bereits gut eingeführt und eingespielt sind wenn das Baby geboren wird. Wir versuchen, regelmäßig mit ihr schwimmen zu gehen und auch das über den Winter beizubehalten. Wir thematisieren das Geschwisterkind vor ihr so wenig wie möglich. Und ich habe ihr gesagt, dass ich nicht von ihr erwarte, dass sie ihren Bruder immer mag. Dass es ok ist zornig zu sein und viele Menschen manchmal sogar sehr widersprüchliche Gefühle gleichzeitig haben.

In der Bücherei habe ich letztens ein Buch gefunden, das sie sich nun oft holt um es mit mir zu lesen. Es heißt Ich will zurück in Mamas Bauch und handelt von einem kleinen Mädchen, das seiner Mutter erklärt, warum es wieder in den Bauch zurück möchte – und zum Schluss erkennt, dass es auch viel Gutes hat, schon ein größeres Kind zu sein. Ich finde das Buch wirklich toll und möchte es sehr empfehlen. Leider hat Sauerländer es nicht weiter verlegt, gebraucht oder in der Bibliothek ist es aber bestimmt leicht zu bekommen.

Wenn Kinder alt genug sind, um uns zu sagen, warum sie unglücklich oder wütend sind, stellt sich die Frage, ob sie sich dafür sicher genug fühlen. Unsere Aufgabe ist es, dieses Gefühl der Sicherheit zu schaffen, ihnen zuzuhören, ohne zu werten, und sie wissen zu lassen, dass sie keine Schwierigkeiten dafür bekommen werden, dass sie uns sagen, was sie getan haben, und dass wir sie für ihre Gefühle nicht verurteilen werden. Alfie Kohn: Liebe und Eigenständigkeit, S.149

Ich bin froh, dass mir meine Tochter so gut zeigen konnte, welche Schwierigkeiten ihr der Gedanke an das Geschwisterkind bereitet und wir nun schon vor der Geburt sensibler damit umgehen können. Es wird uns die Situation nach der Geburt bestimmt erleichtern und die entstandenen Strukturen können uns allen helfen, uns in unseren neuen Rollen zu orientieren.

„Mama, bald bin ich sooo groß!“ strahlte mich meine Tochter heute an. Ich bin zuversichtlich.

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