Grundgedanken Was hat sich Maria dabei gedacht?

In der Ruhe liegt die Kraft – was Montessori für mich im Alltag bedeutet

 

Viele Eltern entdecken in den letzten Jahren die Pädagogik Maria Montessoris. Das ist wirklich ganz wunderbar und stellt uns alle vor dieselbe Herausforderung: Was bedeutet das für mich und mein Kind im Alltag? Geht das überhaupt und gehört sie dort hin? Es finden sich mittlerweile schier unzählige Ideen, Tipps und Vorschläge dazu im Internet. Und ich finde es schön, mir das alles anzuschauen: die liebevoll zusammengestellten Spielregale, die Photos von Kindern, die aktiv in den Alltag miteinbezogen werden, denen Dinge zugetraut werden und die dazu ermutigt werden, ihren Weg selber auszukundschaften. Es ist ein kunterbunter Garten voller interessanter Ideen entstanden, mit faszinierenden Spielen und Materialien und immer neuen Vorschlägen für Beschäftigungen, mittels derer sich unsere Kinder herausfordern können.

Sind es diese Spiele, die mir die Montessoripädagogik zu vermitteln versucht? Für mich ist Montessori vor allem eines: eine eindringliche Aufforderung an mich, mein Kind wirklich kennenzulernen. Ganz genau hinzuschauen, wer sich in diesem kleinen Menschen verbirgt. Zuzuhören, ruhig zu bleiben und zu beobachten.Egal, wie lange es gerade braucht oder wie oft es nicht den einfachsten Weg wählt.

Es fällt mir oft schwer, mein Kind nicht zu unterbrechen. Ich könnte ihr so vieles abnehmen, so vieles schneller erledigen, ihr vormachen und Vorbild sein. Und vielleicht wünsche ich es mir sogar, ich möchte doch auch meine Spuren in meinem Kind hinterlassen.Es ist eine herausfordernde Übung, mich als Mutter zurückzuhalten. Aber es ist auch eine Erleichterung, denn: das Kind, egal wie klein es ist, kennt bereits seinen Weg. Wenn ich es beobachte erfahre ich, wofür es sich wirklich interessiert, was ihm Schwierigkeiten bereitet und welche Herausforderungen es sich wünscht. Es zeigt mir, welche Angebote ich ihm vorbereiten kann und welche Unternehmungen und Ausflüge es besonders reizen würden.Und wenn ich es schaffe, mich zurückzuhalten, gewinne etwas zurück, was im Familienalltag oft genug zur Mangelware geworden ist: etwas Ruhe.

Das schreibt uns auch Montessori selber: wenn wir gelernt hätten, wirklich zu beobachten, dann

„würden wir finden, dass wir eine große Stille und das Gefühl der Ruhe erlangt hätten, und vielleicht hätten wir uns innerlich gewandelt. Jedenfalls hätten wir gelernt, dass fast alle unsere Impulse, zu handeln, unnötig sind. Wir werden sehen, dass mit Hilfe von Anstrengung dem Kind, wenn es auch lange Zeit braucht und Schwierigkeiten bei einer Aufgabe hat, diese doch meistens gelingt; es findet auch den Fehler, den es am Anfang nicht sah. Wenn wir gehandelt hätten, so hätten wir dies alles nicht beobachtet, und dem Kind hätte die Gelegenheit gefehlt, seine Arbeit mit Hilfe seiner Kraft zu vollenden.“

Und wenn mein Kind mich um Hilfe bittet?

Bevor ich selber Kinder hatte war mir klar, dass es gut ist, wenn Eltern aktiv sind. Es ist ein Bild, das mir lange vorgelebt und vermittelt wurde. Und ich denke, dass es seine Berechtigung hat – auch wenn ich heute für mich einige Dinge hinzufügen würde, was denn diese Aktivität meint.

Es ist schwierig, andere sein zu lassen während man selber voller Tatendrang steckt. Auch ich unternehme gerne Dinge mit meinem Kind, weise es auf besonders schöne Blumen oder einen großen Käfer hin, lache und trauere mit meinem Kind.

Aber auch das Beobachten ist ein aktiver Akt. Ich schaue genau hin und mache mir Gedanken, ohne Smartphone (aber manchmal auch gerne mit einer Tasse Kaffee in der Hand). Und wenn mein Kind meine Hilfe fordert und mich fragt? Dann bin ich ansprechbar. Ich kann die Situation einschätzen weil ich sie kenne. Und ich reagiere natürlich auf mein Kind. Ich weiß, wie hoch oder niedrig die Frustration in ihm ist und wie dringend es wirklich meine Hilfe braucht. Es ist nicht verkehrt, seinem Kind zu helfen. Und die schönste Hilfe ist für mich, mein Kind zu ermutigen, es noch einmal selber zu versuchen. Vielleicht braucht es dafür etwas andere Voraussetzungen, die ich ihm schaffen kann. Aber meinem Kind zu helfen bedeutet in den allermeisten Fällen nicht, dass ich etwas an seiner Stelle tun muss.

Dem Kind folgen

Alle schönen Spielsachen und Materialien stehen zuhause für mich erst an zweiter Stelle.

Meine Freundin Anna sagte einmal, dass Montessori bedeutet, dem Kind die Möglichkeit zu geben sich selber seine Schuhe anzuziehen und nicht vorschnell einzugreifen. Das Kind die Schuhe auch verkehrt anziehen zu lassen ohne es zu belehren – es wird sich bestimmt irgendwann korrigieren. Es dabei zu begleiten, zu ermutigen und zu sehen.

Dieser Weg ist manchmal ganz schön herausfordernd und steckt voller Hindernisse. Aber ich muss ihn nicht schnell gehen. Ich mache mich ganz einfach nur auf.

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